Tag 1

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Am Morgen des ersten Tages traf sich das gesamte Team um 8:00 Uhr um zu frühstücken und auf die Ankunft des Trucks zu warten. Gasiano, Robert und die beiden Malage-Schüler Jackson und Joseph trafen um 9:00 Uhr mit dem LKW der Mwanga High School in Moshi ein und zum ersten Mal lernten sich alle Beteiligten des Waste Walk kennen. Auch die Security Guards standen pünktlich bereit und zu unserer Überraschung waren deren sogar einer mehr. Der vierte Guard, so wurde uns vom Chef der Sicherheitsfirma mitgeteilt, würde kostenlos mitgeschickt. Nach einer Inspektion des von Gasiano leicht modifizierten Trucks (Ablagen für das Gepäck des Teams, Installation einer portablen Dusche) und der am Malage Centre selbst produzierten Metallspieße zum Aufsammeln des Plastik, beginnt das Aufladen. Kurz nach 10:00 Uhr setzt sich Lastwagen in Bewegung um Moshi Richtung Osten zu verlassen. An diesem ersten Tag wird unser Team außerdem um einige weitere Mitglieder erweitert, die jeweils nur einen Tag mitlaufen: Carolin Erker und Kristin Becker, zwei Volontäre der Msafiri English School, Jessica Bass, einer Freiwilligen aus den USA und Hanna, einer Touristin aus Deutschland. Nach einem kurzen Stopp an einer Tankstelle, wo unser 200-Liter-Wassertank aufgefüllt wird, hält der Truck wenige Kilometer hinter der Stadtgrenze an und das Team beginnt, ausgerüstet mit Säcken, Westen und Spießen, mit dem Einsammeln des neben der Straße liegenden Plastiks. Zu Beginn wird der Müll unsortiert gesammelt und auf dem Truck trennen einige Team-Mitglieder Flaschen, Tüten und Aluminiumdosen. Im weiteren Verlauf des Projekts wird dieser Ordnung schon beim Einsammeln gefolgt. Außerdem wird schnell beschlossen, sich auf eine Seite der Straße zu beschränken, da es unrealistisch scheint, auf beiden Seiten einen befriedigenden Anteil des Mülls einzusammeln. Dieser Entscheidung liegt auch die Hoffnung zugrunde, am Ende des Projekts einen Unterschied zwischen der weiterhin vermüllten und der „aufgeräumten“ Straßenseite sichtbar machen zu können. Nach einer kurzen Trinkpause führen wir ein Interview mit einer Shop-Besitzerin, um herauszufinden, wie Plastik in der Bevölkerung gesehen wird und ob ein Bewusstsein der davon verursachten Umweltbelastung existiert. Weitere Interviews dieser Art sind zu diesem Zeitpunkt geplant, werden jedoch im Lauf des Projekts nicht mehr geführt. An einem kleinen Shop, den wir am Nachmittag passierten, gab man uns eine größere Menge Müll, nachdem man uns als „Müllabfuhr“ erkannte. Als wir am Abend die letzten gefüllten Säcke zum Lastwagen bringen und vier Säcke Aluminiumdosen (24kg) zusammenstellen, bringen wir diese zu dem Shop zurück, nachdem Jonac ein längeres Gespräch mit der Besitzerin über die Möglichkeit, diesen Abfall gegen gutes Geld zu verkaufen geführt hatte. Nach längerem Hin und Her willigt die Dame auch ein und wir überlassen ihr mehrere Kilogramm Aluminium und das Versprechen, auf unserer Rückfahrt alles wieder abzuholen und in Moshi zu verkaufen, wenn es ihnen bis dahin nicht selbst gelingt. Alles in allem sammeln wir an diesem Tag 32 Säcke Müll, was 264,5 Kilogramm entspricht und diesen ersten Tag zum effektivsten des gesamten Projekts macht, gemessen an der gesammelten Menge. Nachdem alle Säcke sortiert und aufgeladen sind, fährt Robert den Truck zur nahe gelegenen Mashingi Secondary School, die Gasiano am Vormittag besucht hat, um die Erlaubnis zum Übernachten einzuholen. Wir erreichen die Schule kurz nach Sonnenuntergang, werden von zwei der Lehrer begrüßt und beginnen dann zum ersten Mal mit dem Aufbauen der Zelte. Außerdem wird versucht, unseren aus Amerika mitgebrachten Wasserfilter mit einem Eimer oder sogar mit unserem großen Tank zu verbinden, damit Trinkwasser-Engpässe ausgeschlossen werden können. Beide Vorhaben werden durch die kompromisslose Dunkelheit Tansanias behindert und zumindest die Installation des Filters wird auf den nächsten Tag verschoben. Nachdem die Zelte schließlich aufgebaut und die Schlafplätze verteilt sind, versammeln wir uns alle im Lehrerzimmer der Schule, wo wir offiziell willkommen geheißen werden und wir unser Projekt kurz präsentieren. Nach einem anschließenden Abendessen beenden wir den Abend mit einer Team-Besprechung zu verschiedenen Fragen: Wie wollen wir unseren Müll trennen? Wer ist für Fotos und Videos zuständig? Wer erstellt die Protokolle für die geplante Bachelorarbeit? Wie werden die nächsten Tage aussehen? Außerdem wird das Team darüber informiert, dass alle sechs Tansanier Unterstützung benötigen werden und wir beschließen gemeinsam ein Budget für sie bereitzustellen. Nach dem Abschluss der Besprechung wartet auf die meisten ein Schlafsack, Hanna & Felix bleiben noch bis 3:00 Uhr morgens im Lehrerzimmer, um Dankesschreiben an Spender zu versenden, Fotomaterial zu sortieren und die Facebook-Seite des Projekts zu aktualisieren. Die letzte Aktion des Abends ist eine wenig erfreuliche: Auf dem Weg zu den Zelten finden Hanna und Felix die vier Guards allesamt schlafend auf dem Boden, obwohl stets einer von ihnen Wache zu stehen hat. Dieser Mangel an Pflichtbewusstsein wird noch dadurch verstärkt, dass bereits am frühen Abend einer von ihnen (Abdulla) durch den Konsum von Alkohol und Marihuana aufgefallen ist. Alle vier werden aufgeweckt und unmissverständlich darüber aufgeklärt, dass diese Unachtsamkeit Folgen haben wird.

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