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Tansania – Das Projekt

Tansania – ein Land von beeindruckender Schönheit, kultureller Vielfalt, unberührter Natur … und einem gewaltigen Müllproblem. Im August 2015 war es an der Zeit, dieses Problem in Angriff zu nehmen.


Das Land und das Problem

Tansania ist – wie viele andere Länder Afrikas auch – sehr ungleichmäßig besiedelt. Große Teile des Landes sind noch immer nicht an das Straßennetz angebunden und die Mehrheit des tansanischen Volkes lebt direkt an den wenigen ausgebauten Straßen, die das Land durchziehen. An diesen Straßen befinden sich auch die meisten Geschäfte sowie Bars und Restaurants, kurz, dort findet das Leben statt. Doch menschliches Leben produziert auch immer Abfall und Müll. Anders als wir das aus Deutschland kennen verfügt Tansania bisher über keine funktionierende Abfallwirtschaft. Der Müll kann nur verbrannt werden, wobei der überwiegende Teil an Plastikflaschen und –tüten, Verpackungen und Dosen einfach auf dem Boden, neben der Straße landet.



Tanzania Germany

Über die letzten Jahre hatten sich auf diese Weise die Straßengräben im ganzen Land mit Plastikmüll gefüllt. Dass es keine bessere Alternative gab, ist dafür jedoch nur ein Grund. Noch entscheidender war, dass man in Tansania noch zu wenig über Plastik und Umweltverschmutzung wusste. Zwar versuchte die Regierung dem entgegenzuwirken, zum Beispiel mit dem Verbot von Einmalplastiktüten (2006). Doch bisher hatte das tansanische Volk noch keine flächendeckende Aufklärung erfahren und die wenigsten waren sich bewusst, dass sie durch ihr Verhalten ihrem Land und ihrer Natur schweren Schaden zufügen. Dabei sind die Folgen für die Zukunft fatal: Plastik verrottet erst nach hunderten von Jahren, in denen es der Wind im ganzen Land verteilen kann. So wird sich das Müllproblem in Zukunft nicht mehr auf die Straßen begrenzen lassen, das Plastik wird das ganze Land überziehen. Dann erreicht der Müll auch die Tiere in den offenen Flächen Tansanias, deren Mägen es nicht verdauen können und sie somit einem quälenden Tod ausgesetzt sind.

Bisher wurde der Großteil des Mülls in den vielen kleinen Dörfern Tansanias einfach in der Natur belassen oder zum Teil verbrannt oder vergraben. Alle drei Methoden der Müllentsorgung sind gefährlich für Mensch und Natur. Während durch die Verbrennung von Plastik giftiger Rauch entsteht, gelangen durch die langsame Zersetzung in freier Natur kleine Plastikpartikel ins Grundwasser. Diese für Mensch und Tier gleichermaßen überlebensnotwendige Ressource wird somit über lange Zeit verseucht. Die Massen an Müll verstopften außerdem die Grund- und Abwasserleitungen. Die entstehenden Seen voll Abfall und Abwässern zogen schließlich Schädlinge und Mücken an, was zur weiteren Verbreitung von Seuchen und Krankheiten wie Malaria führte. Weitere Fakten zum Thema Plastik:

  • – UNEP (United Nations Environment Programme) schätzt die Zahl der Seevögel, die jährlich an den Folgen von Plastikkonsum sterben auf ca. 1 Million
  • – Eine Kunststofftüte wird im Durchschnitt nur eine halbe Stunde lang benutzt. Nach ihrem Gebrauch bleibt sie etwa 100 bis 400 Jahre auf der Erde zurück (mehr)
  • – In Mauretanien – neben vielen anderen Ländern – ist die Produktion, der Import sowie der Verbrauch von Einwegplastiktüten inzwischen verboten.
  • – Ein Auto könnte 11 Meter weit fahren mit dem Öl, das notwendig ist, um eine einzige Plastiktüte herzustellen.


Was wir tun wollten

Im August und September 2015 liefen wir als Gruppe durch Tansania und nahmen auf unserem Weg den Müll mit, der sich neben der Straße angesammelt hat. Manche von uns kamen aus Europa oder Amerika, einige aus Tansania. Durch unsere Arbeit in den letzten Jahren hatten wir viele Freundschaften zu Menschen vor Ort geschlossen und es war uns ein großes Anliegen, dass sich unsere Gruppe möglichst multikulturell zusammensetzte, nicht nur, um den Anschein der “weißen Lehrmeister” zu vermeiden, welche wir nicht waren, sondern vor allem um klarzustellen, dass der Schutz unserer Umwelt uns alle gleichsam betrifft.

Das gemeinsame Wandern sollte uns außerdem Gelegenheit geben, unsere unterschiedlichen Sichtweisen und Erfahrungen auszutauschen, was jeden von uns bereichern würde und Anlass geben konnte zu weiteren Plänen und gemeinsamen Vorhaben.
Unsere Route sollte uns von der Stadt Moshi am Fuße des Kilimanjaro bis in die (inoffizielle) Hauptstadt Dar es Salaam führen. Am Ende wollten wir den gesammelten Müll aufschichten und einer Firma übergeben, die sich um ordentliches Recyceling kümmerte.


Tanzania maps

Was waren die Ziele?

Natürlich ging es zunächst darum, das Land von so viel Müll und Plastik zu befreien wie möglich. Jede Tüte, jede Flasche, die wir einpackten, konnte schließlich wiederverwertet werden und landete nicht in der afrikanischen Steppe.

Allerdings war das keine langfristige Lösung. Damit wir nicht jedes Jahr durch das ganze Land laufen müssen, war es wichtig, die Menschen in Tansania auf unserem Weg darüber aufzuklären, warum wir das taten. Unsere Aktion kam vielen Tansaniern zu Ohren, es wurde viel darüber gesprochen und diskutiert. Dadurch hatten wir die großartige Chance, das Umweltbewusstsein im ganzen Volk deutlich zu stärken. Wir wollten dies nutzen und auf unserem Weg die Frage beantworten, warum eine Gruppe von Fremden durch das Land zieht und ihren Müll einsammelt. Wir kannten bereits viele Menschen im ganzen Land und waren uns sicher, dass die wenigsten Tansanier ihren Müll einfach ins Freie werfen würden, sobald sie genügend wüssten und verstünden, dass sie damit ihrer Natur schweren Schaden zufügten.

Der gesammelte Müll sollte dann in Dar es Salaam vor Ort eingestampft und von einer Firma fachgerecht recycelt werden. Auch das wollten wir den Menschen erzählen, die wir unterwegs trafen und sie auf diese Weise darauf aufmerksam machen, dass es Alternativen zum einfachen Wegwerfen oder Verbrennen gibt. Auch wenn wir uns bewusst waren, dass wir nicht von heute auf morgen eine funktionierende Abfallwirtschaft aufbauen konnten, hofften wir darauf, dass unsere Aktion eigene Initiativen in der Bevölkerung anstoßen würde.


Wer waren wir?

Wir waren eine Gruppe von jungen Menschen aus verschiedenen Ländern, die zum größten Teil bereits Ostafrika bereist haben und dort auf die Problematik der Müllentsorgung aufmerksam geworden sind.


Tanzania Team

Die meisten unserer Organisatoren kannten sich bereits durch ihr Engagement für den Verein Bonfaremo, der sich seit 2011 für Schulen in Afrika einsetzt. Wir haben auch allesamt Tansania schon (mehrfach) besucht, um an den Bonfaremo-Projekten mitzuhelfen und das Land kennenzulernen.



Wie unser erster Waste Walk in Tansania genau verlief, kannst Du hier in unserem Protokoll nachlesen:


Comment ( 1 )

  • Hallo zusammen,
    toller Beitrag super Sache
    Ich betreibe seit 2008 ein recyclingplant in Morogoro
    ich bin Deutscher und beschäftige dort ca 20 Mitarbeieter.
    das ist mein Beitrag in diesem wunderschönen land
    viel Glück euch allen.

    Gruß Siggi

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