Vorbereitung

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Der erste Teilnehmer der Waste Walk, Felix Garbe, landet am 15. Juli in Nairobi und reist wenige Tage später weiter nach Tansania. Dort trifft er mit Gasiano Senzighe zusammen, dem Gründer und Direktor des Malage Vocational Training Centres, einem der Bonfaremo-Projekte. Diese Berufsschule liegt in Kisangara, 60 km von Moshi entfernt, wo der Waste Walk zwei Wochen später beginnen soll. Zusammen mit Gasiano beginnt Felix die letzten Vorbereitungen vor Ort.

Bereits im Vorfeld haben Studenten & Lehrer des Centres begonnen, eine Müllpresse aus einer Tonne zu fertigen, mit deren Hilfe die eingesammelten Plastikflaschen komprimiert werden soll um Platz auf dem Truck zu sparen. Leider stellt sich bald heraus, dass die Presse nicht geeignet ist, ausreichende Mengen Plastik merklich zu komprimieren und auch einige Änderungen über die nächsten zwei Wochen führen nicht zu Verbesserungen, die den Einsatz der Presse sinnvoll machen. Dennoch werden zwei an ihrer Fertigung beteilige Studenten, Jackson Meela und Joseph Zephania, ausgewählt, am Waste Walk teilzunehmen. Sie sollen dafür zuständig sein, mit Passanten in Kontakt zu treten und Schulen zu finden und zu besuchen, an denen wir übernachten können. Außerdem bietet Gasiano an, einen seiner Lehrer, Robert Mollel, freizustellen, damit er das Projekt als Fahrer des Trucks unterstützen kann.

Gasiano ist es auch, der uns auf die Notwendigkeit einer Genehmigung des Projekts von offizieller Seite aus hinweist. Aus diesem Grund findet im Vorfeld ein Treffen mit dem District Commissioner in Mwanga (lokaler Vertreter des Premierministers) statt, der sich von dem Projekt begeistert zeigt und zusagt, einen Brief abzufassen, in dem er um Unterstützung für unsere Sache bitten will. Diesen Brief sollen wir auf unserer Reise durch Tansania vorzeigen, wenn wir in Kontakt mit offiziellen Stellen oder der Polizei kämen. Außerdem soll der Brief sicherstellen, dass uns Schulen ihre Unterstützung nicht verweigern und uns auf ihren Grundstücken übernachten lassen. Wie von Gasiano erwartet, müssen wir zwar eine Woche länger als vom DC zugesagt auf den fertigen Brief warten, doch schließlich bekommen wir ihn noch rechtzeitig vor dem Projektstart.

Nachdem abzusehen ist, dass nicht jeder Teilnehmer des Waste Walk sein eigenes Zelt mitbringen wird, kann Gasiano einmal mehr aushelfen. Aus seiner Zeit als Safari Guide sind ihm vier Zelte geblieben, drei davon mit je zwei, eines mit sogar vier Plätzen.

Am aufwändigsten gestaltet sich die Anschaffung eines geeigneten Fahrzeugs für den Transport des Teams, der Ausrüstung und des gesammelten Mülls. Zunächst wird überlegt einen kleinen LKW zu kaufen und ihn nach Abschluss des Projekts wieder zu verkaufen. Diese Option scheint die kostengünstigste zu sein, da schließlich nur der Wertverfall zu bezahlen wäre, der über die wenigen Wochen anfallen würde. Auch könnte das Fahrzeug bis zum Verkauf bei Gasiano untergebracht werden und es bestünde keine Eile, die andernfalls einen zu niedrigen Preis erzwingen könnte. So fahren Gasiano und Felix nach Arusha und versuchen dort einen geeigneten Truck zu finden. Es stellt sich jedoch schnell heraus, dass ein Fahrzeug der richtigen Größe nicht nur schwer zu finden, sondern auch kaum zu bezahlen ist. Schließlich wird verstärkt nach einem Truck Ausschau gehalten, der für 5-6 Wochen gemietet werden kann. Über Freunde und zufällige Bekanntschaften werden einige Angebote eingeholt und schließlich fällt die Wahl auf den LKW der Mwanga High School. Gasiano und das Malage Centre verbinden mit dieser Schule bereits freundschaftliche Beziehungen und nach einem Treffen zwischen Gasiano, Felix und der Direktorin der Mwanga High School werden die Mietkonditionen ausgehandelt. Schlussendlich sollen wir 50.000 Tsh, also etwa 25€ pro Tag bezahlen, was weit unter den auf dem Markt üblichen Preisen liegt. Nachdem für den LKW seit Jahren keine Versicherung und auch keine road licence bezahlt worden ist, vereinbaren wir, diese beiden Posten zu bezahlen und die Ausgaben dafür nach Abschluss des Projekts mit den zu zahlenden Mietkosten zu verrechnen. Insgesamt beläuft sich die vorzustreckende Summe schließlich auf etwa 1.090€, die von mehreren Team-Mitgliedern zusammen vorgestreckt werden.

Viel Zeit wird in den Wochen vor dem Eintreffen des restlichen Teams auch darauf verwandt, zukünftige Partner & Unterstützer zu treffen. So findet in Mwanga ein Meeting mit einer Umweltaktivistin namens Shangwe Kiluvia statt, die über einen Bonfaremo-Kontakt vom Waste Walk erfahren hat. An dem Treffen nehmen außerdem zwei interessierte Volontäre der Msafiri English School in Kisangara teil, sowie Gasiano und Jonac Meena, einer der tansanischen Mitläufer. Zwei Stunden lang berichtet Shangwe von ihren Erfahrungen auf dem Gebiet der ökologischen Aufklärung, gibt viele hilfreiche Hinweise und bietet ihre Unterstützung an, sofern ihr Vorgesetzter sie freistellen wird. Ein weiteres Meeting findet in Arusha mit den Vertretern der Magneta Food Inc. statt, die für die Stadtverwaltung in Moshi Mülleimer aufstellt und Gebühren von Umweltsündern in der Stadt eintreibt. Moshi gilt in Tansania als die sauberste Stadt des Landes, seit dort zur Kasse gebeten wird, wer unachtsam genug ist, seinen Müll einfach auf die Straße zu werfen. Über Magneta wird ein Treffen mit Iliyasa Mnjejah, dem für die Umsetzung dieser Politik zuständigen Beamten in Kiusa, einem zentralen Stadtteil Moshis, organisiert. Man zeigt sich auch dort begeistert von dem geplanten Projekt und sagt zu, sich um ein Treffen mit dem obersten Verantwortlichen im city council von Moshi zu kümmern. Zunächst scheint dieser jedoch wenig interessiert und verlangt einen invitation letter zu sehen. Als Hanna und Felix ihm bei einem zweiten Treffen den inzwischen fertigen Brief des District Commissioners aus Mwanga vorlegen, reagiert er wesentlich freundlicher auf die Vorstellung des Projekts und bittet direkt per Telefon beim District Commissioner in Moshi um einen letter aus dessen Büro, der dem Projekt noch mehr Sicherheit geben soll. Zwar bemüht sich Mr. Mnjejah in den darauffolgenden Wochen diesen Brief abzuholen und uns zukommen zu lassen, doch der DC kommt seinem Versprechen niemals nach.

In Moshi trifft Felix zufällig noch den jungen Tansanier Ghynwine Rando, genannt Mandela. Wie es der Zufall will, erzählt Mandela ihm von einem Geschäftspartner, der vor kurzem eine Maschine bestellt hat, die Plastik zurück in Öl verwandeln kann. Diese Technik wurde von einer Gruppe von Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern entwickelt und bereits Monate zuvor hatten Hanna und Felix erfolglos versucht, diese zu kontaktieren und dieselbe Maschine zu bestellen. Dass eben diese Maschine nun in Moshi verfügbar sein könnte, weckte große Hoffnungen bezüglich der sinnvollen Verwendung und Entsorgung des gesammelten Plastiks. Mandela und Felix besuchen am Tag darauf den indischen Geschäftsmann, Mr Radjesh, um ihm vom Waste Walk zu erzählen. Dieser bietet schnell an, dem Projekt kostenlos einen seiner LKWs zu leihen, sofern wir 28 Tonnen Plastik einsammeln und bei ihm abliefern würden. Leider ist eine solche Zusage im Vorfeld nicht möglich und der Benzinverbrauch des LKW zu hoch um dieses Angebot annehmen zu können. Bei einem zweiten Treffen zeigt Mr. Radjesh Felix das für seine bestellte Maschine gemietete Grundstück in Moshis Gewerbegebiet und sichert zu, an ihn geliefertes Plastik zu einem Preis von 250 Tsh pro Kilogramm zu kaufen.

Ein weiteres Treffen findet in den letzten Juli-Tagen in Dar es Salaam statt. Dort treffen Hanna und Felix die aus Simbabwe stammende Tania Hamilton, eine der Hauptverantwortlichen der Organisation „Nipe Fagio“ (Suaheli für „gib mir den Besen“). Diese Gruppe organisiert seit Jahren Clean-ups und andere Aktionen, um das Umweltbewusstsein in Tansanias größter Stadt zu fördern. Zwei Tage verbringen die beiden mit Tania und bekommen viele nützliche Kontakte und Erfahrungen von ihr an die Hand. Unter anderem empfiehlt Tania den beiden einen Besuch um Büro des Vizepräsidenten, um Julius Ningu zu treffen, den director of environment. Nachdem es in Tansania kein Umweltministerium gibt, ist Mr. Ningu die Person, die einem Umweltminister am nähersten zu kommen scheint. Mr. Ningu freut sich über das Projekt, bittet um regelmäßige Meldungen und sagt zu, beim Empfang am Ende in Dar es Salaam anwesend zu sein, die Presse mitzubringen und selbst eine kurze Ansprache zu halten. Außerdem treffen Hanna und Felix Ibrahim Ibrahim Mwesiga Kyaruzi, der seine eigene PR-Firma betreibt und zusagt, Artikel über den Waste Walk in sechs nationalen und internationalen Zeitungen unterzubringen, die pünktlich zum Start des Projekts erscheinen. Ein Treffen mit Professor Hasting von der University of Dar es Salaam wird zwar geplant, kann jedoch nicht stattfinden, da die Zeit in der Stadt nicht ausreicht. Zu diesem Zeitpunkt steht die Idee im Raum, das Projekt mit einem großen Event an der Universität enden zu lassen und Professor Hasting sagt am Telefon auch seine Unterstützung zu. Leider reagiert er im weiteren Verlauf auf keine Anrufe oder Nachrichten mehr und eine Verbindung zur Universität wird nicht hergestellt.

Zurück in Moshi wird noch ein wichtiger Punkt behandelt: Die Sicherheit. Auch wenn Tansania eines der sichersten und friedlichsten Länder Afrikas ist, wäre es ein zu großes Risiko für eine Gruppe dieser Größe, ohne Sicherheitskräfte aufzubrechen – vor allem, wenn ein großer Teil der Team-Mitglieder weiß und damit noch gefährdeter ist. Mit der Hilfe von Mandela wird zunächst versucht, eine Gruppe Massai-Krieger anzuheuern, was jedoch nicht gelingt, da Mandela keine ihm Unbekannten damit betrauen möchte. So fällt die Wahl schließlich auf AA Security, die Sicherheitsfirma, der er auch im Falle eigener Projekte vertraut. Es wird ein Preis von 500 USD für drei Guards, die das Projekt einen Monat lang begleiten, vereinbart (Verpflegung bereits mit inbegriffen). Außerdem findet ein weiteres Treffen mit Shangwe Kulivia statt und eine offizielle Einladung zum Wate Walk Projekt wird erstellt, die ihren Vorgesetzten überzeugen soll sie für die nächsten Wochen freizustellen.

Schließlich trifft am 31. Juli ein weiteres Team-Mitglied aus Deutschland ein (Pia Plankensteiner), einen Tag später landen fünf weitere aus Wien in Dar es Salaam (Nadja Tillmann, Marko Knöbl, Julius Schneider, Thomas Sieberer und Felix Demmelbauer) und am 3. August folgen Jolin Möller und Fenja Wegner aus Frankfurt. An diesem Tag wird eine Liste finaler Einkäufe erstellt, die in Gruppen abgehakt werden sollen: Säcke, Handschuhe, Eimer, Warnwesten, Wasserflaschen, eine Waage, Schüsseln und Hygieneartikel. Außerdem treffen sich Hanna und Felix mit den drei tansanischen Volontären Jonac Meena, Grace Mariki und Andrew Msely, um mit ihnen den Projektablauf zu besprechen. Den Vorabend des Projektstarts verbringt das Team mit abschließenden Arbeiten an dem Anschauungsmaterial, das in Form ausgedruckter Power-Point-Folien dazu dienen soll, das Thema „Plastik als Umweltbelastung“ an Schulen zu präsentieren. Hanna und Felix schließen nach einer abschließenden Besprechung noch die Arbeiten an der Darstellung des Waste Walk auf der Spenden-Plattform Go Fund Me ab, um Gelder für die weiteren Ausgaben zu sammeln, nachdem bisher kaum Spenden gesammelt wurden.

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